Alle Jahre, genauer gesagt alle vier Jahre, kommt sie wieder und bestimmt die Berichterstattung und die Stimmung des Landes: Die Fußball WM. Alles steht in diesen vier Wochen Turnierdauer im Schatten des runden Leders. Was Kanzlerin, Koalition oder Kirchenvertreter anstellen, tritt in den Hintergrund; es ist die richtige Zeit für Steuererhöhungen und interne Streitereien in der Politik, und mehr oder weniger klare Worte von Kirchenvätern, denn dafür interessiert sich die Bevölkerung in diesem Zeitraum sowieso nicht. Auch nicht ausgewiesene Fußballfans ringen sich dazu durch mit Flaggen in der Hand oder wahlweise auf Wangen oder Oberarmen zu überfüllten Public Viewing Plätzen zu gehen und in die Euphorie mit einzutauchen.
Auch dieses Jahr, genau am heutigen Tage startet das weltweit herbeigesehnte Großereignis wieder. Zum ersten Mal auf dem schwarzen Kontinent: In Südafrika. Und während die Welt ab heute Nachmittag vom Fußballfieber infiziert nur noch paralysiert auf 3D-, LED-, HDTV-Bildschirme oder sonstige Großleinwände blickt, möchte ich hier dazu einladen, sozusagen last minute, noch ein Auge auf das Gastgeberland zu werfen.
Was verbindet man als erstes mit Südafrika? Wahrscheinlich haben viele Nelson Mandela im Kopf, der 1994 zum ersten schwarzen Präsidenten gewählt wurde und somit das Apartheidsystem offiziell beendete, andere werden an berühmte Nationalparks denken, in denen man auf Safaritouren frei lebende, oder zumindest laufende, Wildtiere begutachten kann. Die Weinfans werden – wie soll es anders sein - an Wein denken und die Kritiker an die immer noch existierenden sozialen und gesundheitlichen Probleme. Ohne Frage ist Südafrika ein unglaubliches Land: unglaublich schön in seiner Landschaft und seinem Klima (den Fußballfans sei gesagt, momentan herrscht Winter, es sollten also Traumbedingungen herrschen), unglaublich fortschrittlich in seiner Industrie im Vergleich mit anderen Ländern des Kontinents und gleichzeitig unglaublich gegensätzlich. Während ein jeder Besucher dieses Landes zunächst beeindruckt sein wird von Land und Leuten, wird er nicht umhin kommen auch die weniger erfreulichen Seiten zu entdecken. Immer noch existieren in Südafrika die so genannten Townships, in der Apartheid errichtete Stadtviertel nur für die schwarze Bevölkerung, die auch heute noch von vielen armen farbigen Arbeitern und ihren Familien bewohnt werden. Auch die gesundheitliche Lage ist bedenklich: Südafrika hat eine der höchsten HIV-Quote der Welt, was zumeist an fehlender Präventionsaufklärung liegt. Dieses Problem ist neben der hohen Kriminalitätsrate das größte des Landes, und man arbeitet daran es in den Griff zu bekommen. Vielleicht ist die Ausrichtung der FIFA Fußball Weltmeisterschaft 2010 mit allen Investoren und Sponsoren ein Schritt in die richtige Richtung, damit das Land nicht nur offiziell zu den Erstweltländern zählt.
Mit diesen Informationen im Hinterkopf, sei es nun jedem erlaubt sich mit Herz in der Hand und Leidenschaft im Bein, seinen Weltmeisterträumen hinzugeben!