Digital-PR und GEO: Das Ende der Suche, wie wir sie kennen

Wie die KI-Suchmaschinen-Optimierung und das „E-E-A-T“-Prinzip die strategische Kommunikationsarbeit erweitern

Mediennutzungsverhalten, Websuche, Meinungsbildung  – vieles ändert sich durch Künstliche Intelligenz in einem Tempo, wie wir es bisher nicht kannten. Der Zugang zu Informationen läuft heute nicht mehr über die klassische Google-Recherche, das Newsportal oder die Fachpublikation der Wahl. Die KI liefert fertige Antworten, bevor der Nutzer überhaupt eine Website benutzt. Sie recherchiert nicht nur, sie kuratiert, priorisiert und interpretiert Inhalte, wird damit selbst zum Medium, zur Zero-Klick-Umgebung. Sichtbarkeit in der KI-Suche ist somit relevanter denn je. Und das gilt nicht nur für Marketing- und Content-Profis, sondern insbesondere auch für PR-Schaffende, denen mit Generative Engine Optimization (GEO) ein neues Werkzeug mit neuen Messgrößen zur Verfügung steht.

VON RANKINGS ZU REFERENZEN - SICHTBARKEIT VERSCHIEBT SICH

Nutzer klicken heute deutlich weniger auf Links, um Themen zu erschließen. Sie verlassen sich darauf, was die KI ihnen über ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity vorschlägt. Laut einer Forsa-Umfrage des TÜV-Verbands nutzen 72 Prozent der Deutschen KI für die Recherche (November 2025). Der Besuch von Webseiten verliert an Relevanz. Wer daher nicht in den Antworten der KI auftaucht, wird unsichtbar.

GEO, oder auch GAIO (Generative AI Optimization) genannt, ist das Buzzword der letzten Monate. Im Gegensatz zur Suchmaschinenoptimierung (SEO), die weitgehend auf Keywords, Backlink-Signalen und technischen Best Practise basiert, wird GEO von Glaubwürdigkeit, Klarheit und Vertrauen bestimmt. Die Marken, die in den KI-Suchergebnissen erscheinen, sind nicht unbedingt die mit den am besten optimierten Landing Pages, sondern diejenigen, die diese Systeme als zuverlässig, maßgeblich und zitierwürdig erkennen. In einer GEO-gesteuerten Suchumgebung ist es möglich, dass eine Marke oder auch ein mittelständisches Unternehmen ohne große nationale Präsenz gar nicht in den Top 10 oder 20 der Google-Suchergebnisse aufgeführt, aber dennoch mit einer KI-generierten Antwort zitiert wird.

Die Logik digitaler Präsenz verändert sich: Es gilt weniger das „Wie hoch ranken wir?“, sondern vielmehr die Frage „Werden wir als glaubwürdige Quelle genannt?“. Qualitative Inhalte in unterschiedlichen Kanälen werden zu Referenzen.  

Die Quellen der Suchergebnisse verteilen sich bei B2B-Themen in etwa zu je einem Drittel auf unternehmenseigene Quellen („Owned Media“) wie Corporate Blogs und Websites, auf klassische Medien sowie soziale Kanäle. Laut einer eher B2C-affinen Nutzeranalyse der PR-Software Blinq griffen ChatGPT, Google AI Overviews und Perplexity zu 51,5 Prozent auf „Owned Media“ zurück. Knapp 20 Prozent der Quellen werden als News- und Fachportale oder Review-Plattformen erkannt („Earned Media“), etwas mehr als jede dritte Quelle (35%) entfällt auf „Shared Media“ wie Reddit, YouTube und LinkedIn.

Warum PR in der GEO-Welt strategisch gewinnt

Für PR-Agenturen bedeutet diese Entwicklung eine strukturelle Verschiebung und zugleich als Content- und Kontext-Geber eine große Chance, denn journalistische Plattformen und gehaltvolle Inhalte sind die Quellen der KI-Suche. Medienarbeit, der Kontakt zu Journalisten, Multiplikatoren, Influencern, war schon immer darauf ausgerichtet, Vertrauen durch Dritte aufzubauen. Eine durchdachte Content-Strategie auf Basis von GEO, der Blick auf den gesamten digitalen Fußabdruck einer Marke erlaubt eine fundierte Evaluation. Für PR-Agenturen mitentscheidend: Ein großer Teil des veröffentlichten Contents ist zugleich planbar und kann mit GEO optimiert werden. Fachbeiträge, Expertenkommentare, Listicles, Infografiken stellen heute einen großen Anteil des redaktionellen Angebots dar, das mit Unterstützung von Agenturen erstellt wird. Redaktionelle Erwähnungen, Interviews, Podcasts oder Kommentare liefern zudem Belege für Autorität und Relevanz. Dazu kommen Plattformen wie YouTube, Reddit und insbesondere im Hinblick auf die B2B-Kommunikation LinkedIn, sowohl beim Unternehmensauftritt als auch über die persönlichen Profile von Führungskräften und Experten. Reputation, Glaubwürdigkeit und Narrative prägen PR und Earned Media seit Jahrzehnten und bekommen mit GEO wieder mehr Gewicht. Agenturen für strategische Kommunikation lassen sich mit GEO an zusätzlichen KPIs messen, erhöhen zugleich die Wertschöpfung ihrer Arbeit und liefern gute Argumente für den PR-Etat.

Vertrauen als Währung: Das „E-E-A-T“-Prinzip und die neue Bewertungslogik

Durch die generative Suche sind sinkende Klickraten nicht mehr zu übersehen. Wenn Nutzer Antworten direkt von den LLMs erhalten, müssen sie nicht mehr so viele Websites besuchen, um Informationen zu sammeln. Heute wird von „Zero-Click-Umgebungen“ gesprochen. Nutzer sind nicht mehr auf der Suche nach grundlegenden Informationen, sondern haben sich anhand von KI-Zusammenfassungen eine Meinung gebildet.

Im GEO-Kontext kommt hier „E-E-A-T“ als eine wichtige Methode ins Spiel, um der KI-Suche die richtigen Signale zu übermitteln. Das Konzept ist Teil der GEO Quality Rater Guidelines und damit ein Begriff aus der SEO-Welt. Es steht für Experience (Erfahrung), Expertise (Fachwissen), Authoritativeness (Autorität) und Trust (Vertrauenswürdigkeit). Mit diesem Prinzip steigt wieder die Bedeutung von journalistisch hochwertigen Fachmedien als Contentquelle – und somit die Bedeutung der Pressearbeit. Es erleichtert die Planung und Abstimmung des GEO-relevanten Contents: Unternehmensgeschichte, Persönlichkeiten des Unternehmens, Kundenstimmen und Referenzen – kurz, Beweise für eine herausragende Stellung der Organisation zählen und nicht nur Behauptungen. Ein Beispiel: Unter “Experience” und “Expertise” fällt Content, der zeigt, dass der Autor persönliche Erfahrungen mit dem Thema gemacht hat, beispielsweise durch einen Produkttest, sowie sein Fachwissen einfließen lässt. “Authoritativeness” zahlt ein in die Reputation und Reichweite der Quelle, “Trustworthiness” beleuchtet die Sicherheit, Seriosität, Transparenz und Aktualität einer Website.

Auch die KI-Suche und heutige GEO-Methodik wird sich rasant ändern, wenn ChatGPT & Co. weiter monetarisiert werden. Erste Anzeichen für gesponserte Antworten, beworbene Quellen, Empfehlungen sind bereits sichtbar. Auch wenn bezahlte Platzierungen in KI-Suchlandschaften aufkommen, werden der Aufbau von Vertrauen und Autorität weiter elementar bleiben. Wer jedoch früh mit GEO beginnt, kann schon jetzt innerhalb von wenigen Wochen die Sichtbarkeit der eigenen Marke oder des Unternehmens messbar steigern.

Für weitere Informationen zum GEO-Einstieg von Unternehmen, zu begleitendem Agentur-Support oder einer kompletten Umsetzung einer GEO-optimierten Content-Strategie melden Sie sich gern bei uns unter kontakt@harvard.de.


Foto-Quellen: Pexels (1: Fauxles, 2: T. Winstead, 3: M. Winkler)

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