Relevanz in einer Welt voll Getöse

Zu Gast bei den B2B Communication Days 2026 in Würzburg

 

Das Schlüsselwort, das heute hunderte Male in Keynotes und Diskussionen fällt, ist für Kommunikatoren natürlich nicht neu, hat aber in heutigen Zeiten eine Strahlkraft wie noch nie: Vertrauen. Meist taucht es gepaart mit den Begriffen Authentizität und Glaubwürdigkeit auf. Denn es geht auf Marketing- und PR-Kongressen, wie auch heute auf den „B2B Communication Days“ bei der Vogel Communication Group in Würzburg, immer um das Zusammenspiel und Spannungsfeld von KI und Mensch: Um Echtheit und Persönlichkeit, um Sichtbarkeit und Relevanz – und hier, in der vermeintlich trockenen B2B-Industriewelt der Hidden Champions, um Emotionen, Aufbruch zu neuen Wegen und Mut für mehr Aufmerksamkeit. Vier Erkenntnisse aus Sicht des PR-Schaffenden von einem Event mit dem Slogan „Weniger Schischi – mehr B2B!“.


1.        Vertrauen ist kein Nebenprodukt erfolgreicher Kommunikation - Authentizität ist der Schlüssel in allen Disziplinen!

It’s all about trust! Die Keynote von Transformationsexpertin Prof. Dr. Maja Göpel setzt bereits die Messlatte auf die gesellschaftliche Ebene hoch – und das ist auch genau richtig so: „Vertrauen ist die unsichtbare Infrastruktur, auf der Märkte, Innovationen und gesellschaftlicher Zusammenhalt fußen. Durch gezielte Vertrauensarbeit als strategische Kernkompetenz für Kommunikation stärken Unternehmen nicht nur Krisenresilienz, sondern gestalten die Regeln des Wirtschaftens und Zusammenleben aktiv mit“. Hier geht es nicht um Werbung und Technologien, sondern um menschliche Positionen, unternehmerische Haltung und Experten-Skills.

So betont auch LinkedIn-Expertin Britta Behrens die Chancen von Thought Leadership, die man über Persönlichkeit und Kompetenz auf der Networking-Plattform ausstrahlen kann. Denn die Grundregel gilt mehr denn je: „Menschen vertrauen Menschen und Menschen kaufen von Menschen – auch im KI-Zeitalter“.

Eindrucksvoll plädiert auch Michaela Landwehr vom Automobil-Zulieferer Aumovio für strategische Vertrauensarbeit. Insbesondere in Zeiten, in denen Mitarbeitenden durch schlechte Branchennachrichten über Stellenabbau und Transformations-Auswirkungen das Gefühl der Identifikation verloren geht. Glaubwürdige Kommunikation braucht Prinzipien, wie beispielsweise den Mitarbeitenden zuzuhören, keinen Sinn zu erfinden, sondern aus dem selbst erlebten Sinn des Schaffens Geschichten zu erzählen. Daraus hat Aumovio eine authentische Employee Advocacy-Kampagne entwickelt, authentisch, emotional und wirkungsvoll!

 

2.        Wir leben im Zeitalter des Zweifels!

Sascha Pallenberg, schon lange ein inspirierender, weitblickender und kritischer Geist, zeichnet kein positives Bild des digitalen Weltgeschehens, aber lobt im Hinblick auf die Abhängigkeiten von den großen US-Techriesen richtige Schritte, die uns in Europa vom Rest der Welt unterscheiden (EU AI Act). Zugleich mahnt er Vorsicht an vor „Souveränitäts-Washing“, was immer häufiger um sich greift. Sascha beschreibt die Auswüchse des Internets, „das schon lange nicht mehr net(t) ist“, den Perfektionismus von KI-Fakes und Fake-Influencern - den Zweifel, Zorn und zugleich Naivität der Nutzer, die nicht mehr unterscheiden können, was echt ist und was nicht. Auch in dieser Keynote geht es um die Grundsatzfrage, wie erreichen Unternehmen Menschen, wie entsteht neues Vertrauen.

 

3.        Menschen wollen Menschen sehen

Praktisch und perspektivisch etwas positiver zeigt sich Social Media-Experte Felix Beilharz bei einem Rundumblick auf die einschlägigen Plattformen und ihre Chancen für die B2B-Kommunikation. LinkedIn: Zwar klein, aber natürlich super relevant. Auch für GEO: LinkedIn ist die meistzitierte Domain bei der KI-Suche! Der Unternehmensaccount ist zwar gut, aber ohne Personality geht es im Business-Netzwerk nicht: 2/3 der Reichweite läuft über persönliche Profile, die Engagement-Rate ist über Personen um ein Vielfaches höher. Menschen wollen echte Menschen, mit denen sie sich identifizieren können – wer langweilt, fliegt raus!

 

4.        Pressearbeit und die bleibende Wucht der Fachmedien

 Schauen wir in die Herzkammer der eigenen Profession, denn es gibt zwischen den zahlreichen Marketing- und Technik-Sessions der B2B Communications Days auch einen echten PR-Termin: Unsere Deutsche Public Relations Gesellschaft (DPRG) lud ein zu einem Panel über moderne Medienarbeit in Zeiten von KI und B2B-Realität. Die Eingangsfrage auch an den Chefredakteur des MaschinenMarkt, der ehemals größten Fachzeitschrift der Welt, geht für den PR-Profi bereits a ns Eingemachte: Können Medien heute überhaupt noch Relevanz und Aufmerksamkeit erreichen? Die Panelrunde aus Journalisten und PR-Schaffenden antworten mit klarem Ja, wenn Fachmedien und die Kommunikatoren der Industrie die Substanz liefern. Gerade B2B lebt vom Vertrauen zu den bereitgestellten Informationen, Produkte können nicht getestet werden, Zusammenhänge sind relevant. Und selbst wenn der Algorithmus den Hinweis bei LinkedIn auf den komplexen Fachartikel nicht genügend beachtet, belohnt, so ist dieser trotzdem relevant. Noch mehr, wenn Experten auch als Experten, z.B. über den persönlichen LinkedIn-Account oder als Gastautoren, wahrgenommen werden können.

 

Und hier muss man unbedingt die Brücke zu Klaus Eck schlagen, der eine Bühne weiter über das Corporate Influencer Programme berichtet und die Wirkungschancen, insbesondere bei einem internationalen Ansatz, auf Öffentlichkeit, Mitarbeitende, aber auch Unternehmenskultur und Führung. Hier zeigt ein Unternehmen sein Gesicht, Sichtbarkeit und Authentizität. Nicht nur was für die Lauten, auch Introvertierte mit echter Expertise sollten mehr ermutigt werden. Und: Wer nicht begeistert ist, produziert langweiligen Pflichtcontent.

 

PR, Media und Influencer Relations… - so bleibt für einen selbst die Erkenntnis, dass im großen Marketing-Mix die PR, dessen Kernaufgabe die ewige Suche nach gehaltvollem, relevanten und glaubwürdigen Content ist, auch heute für Unternehmen und Marken eine, aber eine sehr gute und relevante Zutat der Markenkommunikation ist. Über klassische und soziale Medien. Strategisch, praktisch und vor allem gar nicht langweilig.

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