Was leisten moderne Low-Code-Plattformen?
Low-Code-Plattformen (LCAP) haben einen großen Innovationsschub erlebt und sind heute weit mehr als ein Werkzeug zur schnellen Entwicklung von Unternehmensapplikationen. Sie dienen als Grundlage für die Modernisierung von umfangreichen Legacy-Landschaften und komplexen systemübergreifenden Prozessen. Außerdem helfen LCAP Unternehmen dabei, von generativer KI und intelligenter Workflow-Optimierung zu profitieren. Was LCAPs aktuell leisten, das durften wir zuletzt im Interview von Mendix-CEO Raymond Kok und der Fachzeitschrift Computer & Automation erfahren.
Die Low-Code-Technologie hat die Softwareentwicklung in den letzten fünf Jahren deutlich geprägt. Eingangs war die intuitive visuelle Entwicklungsumgebung von Low-Code-Plattformen vor allem für ihre enormen Produktivitätsgewinne bekannt sowie die Einbindung von sogenannten Citizen Developern, also Personen aus den Fachabteilungen, die unter Anleitung der IT an Softwareprojekten mitwirken konnten. Heute spricht man häufiger von BizDevOps oder Fusion Teams, das Prinzip ist aber dasselbe: Kollaboration auf einer gemeinsamen Plattform, um das Wissen aus den Fachabteilungen und deren konkrete Anforderungen an neue Anwendungen mit der Expertise der IT-Abteilung – gerade im Hinblick auf Governance und Sicherheit – zu vereinen.
Was ist Low-Code?
Für alle, die mit Low-Code nicht vertraut sind: Mit Low-Code lässt sich Software mittels Drag-and-Drop-Funktionalitäten in einer visuellen Entwicklungsumgebungen erstellen, ohne dass tiefere Programmierkenntnisse notwendig sind. Low-Code-Plattformen ermöglichen es Unternehmen skalierbare Anwendungen schneller und effizienter zu erstellen.
Die zentralen Vorteile von Low-Code sind:
schnellere Entwicklungszeiten und damit höhere Innovationsgeschwindigkeit
geringere Abhängigkeit von IT-Ressourcen und reduzierter IT-Backlog
KI-gestützte Entwicklung von intelligenten Applikatione
Automatisierung und Prozessorchestrierung
Warum eignet sich Low-Code für Unternehmen?
Dass sich Low-Code im Unternehmenseinsatz bewährt hat, dokumentieren unzählige industrieweite Use Cases, als auch repräsentative Studien wie „The Low-Code Perspective: Insights from Enterprise IT Leaders“ von Mendix. Die Studienergebnisse aus dem Jahr 2024 unterstreichen die geschäftskritische Relevanz von Low-Code und die Tatsache, dass die Kombination aus Low-Code und KI Organisationen dabei hilft, schneller zu innovieren. Von den 400 befragten Führungskräften aus Deutschland stimmten 87 Prozent dieser Aussage zu. Insgesamt geben 98 Prozent der weltweit 2.000 befragten Unternehmen an, Low-Code in der Softwareentwicklung einzusetzen. Drei Viertel von ihnen sehen darin einen maßgeblichen Treiber ihrer Innovationsfähigkeit.
Bereits 2024 wurde deutlich, dass Low-Code ein strategischer Wegbereiter der Digitalisierung von Unternehmen ist. Bemerkenswert ist, dass das Potenzial von Low-Code auch außerhalb der IT-Abteilung erkannt wurde. 75 Prozent der befragten IT-Führungskräfte berichteten, dass ihr C-Level Low-Code perspektivisch als einzige Programmieroption betrachtet. In 77 Prozent der Unternehmen geht die Initiative zur Einführung von Low-Code sogar direkt von der Führungsebene aus.
Ein Blick auf das Jahr 2026 zeigt, dass sich diese Entwicklungen weiter verstärkt haben: Low-Code-Entwicklungsplattformen sind nun nicht zuletzt aufgrund ihrer integrierten KI-Fähigkeiten und Automatisierungsagenten fester Bestandteil moderner Tech-Stacks.
Die Low-Code-Historie aus Sicht der Tech-PR
Das Team von Harvard Engage durfte den Weg von Low-Code, von einer Nischentechnologie hin zu einem integralen Element moderner Entwicklungslandschaften, in den letzten 7,5 Jahren PR-seitig aktiv gestalten und medial begleiten. Wir durften die technologischen Sprünge sowie die unglaubliche Entwicklung von Low-Code-Plattformen am Beispiel von Mendix hautnah miterleben: Sie sind zu einem strategischen Hebel für Innovation und Wettbewerbsfähigkeit geworden.
Anfangs war die PR-Arbeit vor allem darauf ausgerichtet, die Low-Code-Technologie bekannter zu machen. Dabei standen ihre Vorteile und vielfältigen Möglichkeiten im Fokus. Diese wurden in Tech- und Fachmedien – von Finance über Fertigung bis hin zu Retail – anhand erster Success Stories sowie informativer Inhalte wie Fachartikel kommuniziert.
Inzwischen steht das Zusammenspiel von Low-Code und KI im Fokus und die PR-Aktivitäten und Content-Formate spiegeln diese Allgegenwärtigkeit von KI als auch die vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten wider.
Unsere Einschätzung zufolge dürften heute mindestens 90 % der Medienvertreter:innen aus dem technischen Umfeld Low-Code kennen. Rund zwei Drittel von diesen haben eine Vorstellung davon, wie es in Unternehmen bei der Softwareentwicklung sowie der Modernisierung von Legacy-Systemen und Prozessen zum Einsatz kommt.
Low-Code Historie von Mendix: 20 Jahre Low-Code-Pionier
Mendix feierte im Dezember 2025 sein 20-jähriges Jubiläum. Vor diesem Hintergrund durften wir kürzlich das Interview der Chefredakteurin der Fachzeitschrift Computer&Automation, Andrea Gillhuber, mit Mendix-CEO Raymond Kok begleiten.
Ihre Einstiegsfrage zielte auf den Wandel von Low-Code in den letzten beiden Jahrzehnten ab, auf die Kok wie folgt antwortete:
„Was als Möglichkeit zur Beschleunigung einzelner Automatisierungsprojekte begann, hat sich zu einem grundlegenden Ansatz für die Bereitstellung von Unternehmenssoftware und die Digitale Transformation entwickelt. Heute erkennen Führungskräfte Low-Code als wichtigen Faktor für groß angelegte Innovationen an. Low-Code hilft Unternehmen dabei, Geschäftsprozesse zu orchestrieren und neu zu gestalten, die Produktivität aller Teams zu steigern, die Time-to-Market für geschäftskritische Softwareprojekte zu verkürzen und komplexe Legacy-Landschaften zu modernisieren.“
Im Interview ging er zudem auf die Rolle von Low-Code in der industriellen Digitalisierung ein und äußerte sich zur künftigen Rolle von Menschen im Zusammenspiel mit KI-Agenten im Kontext von KI-gestützter Softwareentwicklung.
Das vollständige Interview könnt ihr bei Computer & Automation nachlesen.
KI formt nächsten Schritt der Low-Code-Evolution
Künstliche Intelligenz und insbesondere generative KI hat der Entwicklung von Low-Code-Plattformen einen immensen Schub verschafft. Laut Raymond Kok ist KI „das Beste was Low-Code je passieren konnte“, da sie das Dream Team der Softwareentwicklung sind.
Plattformen, die für komplexe Unternehmensanforderungen geeignet sind, integrieren teils monatlich in ihren Releases neue KI-Features. Denn Unternehmen wollen sich die Effizienzpotenziale von KI erschließen, eigene KI-Agenten entwickeln und sie in einem sicheren Rahmen anwenden.
Quo vadis, Low-Code?
Es bleibt spannend, wie sich Low-Code im KI-Zeitalter weiterentwickeln und wie sich die Rolle von Low-Code-Plattformen im Unternehmenseinsatz wandeln wird. Was man jedoch jetzt schon sagen kann: Die Rolle von Softwareentwickler:innen ändert sich dramatisch. Sie werden künftig weniger coden, denn strategisch arbeiten, Agenten überwachen und ihren neuen Platz in der hybriden Workforce finden müssen.
Wer sich über Trends der Softwareentwicklung informieren und beispielsweise wissen möchte, ob sich Vibe Coding für den Unternehmenseinsatz eignet, dem möchten wir den Fachartikel von Raymond Kok bei Computerweekly ans Herz legen.
Hinweis zur Studie: Die Mendix-Studie basiert auf den Erkenntnissen von 2.000 Führungskräften in Unternehmen mit mindestens 1.500 Mitarbeitenden in den Benelux-Ländern, Deutschland, Japan, den USA und dem Vereinigten Königreich. In Deutschland gehören 35 % der 400 Befragten der technischen C-Suite an, 65 % sind IT-Manager:innen.Über die Autorin: Sabine Felber ist PR-Beraterin bei Harvard Engage Communications und seit über 20 Jahren in der Tech-PR tätig. Sie beschäftigt sich seit vielen Jahren intensiv mit Themen rund um Digitalisierung, Softwareentwicklung, Low-Code und KI. Sie schreibt als Ghostwriterin regelmäßig Fachbeiträge über den Einsatz von Low-Code im industriellen Umfeld und die Möglichkeiten, die LCAPs für Organisationen bieten.